# Was passiert, wenn Fakten durch Erfahrungsberichte ergänzt werden?

> Erste Erkenntnisse aus laufender Studie zur Kommunikation über Wechseljahre im Arbeitskontext. Wie gelingt es, über ein Gesundheitsthema zu sprechen, das viele Menschen nicht aus eigener Erfahrung kennen?

_Forschung · 28. September 2026 · 3 Min. · Katharina Eggert · https://iwww.ch/blog/mehr-als-fakten_

Diese Frage gewinnt auch für Unternehmen an Bedeutung. Unsere Daten beim IWWW zeigen: Jede vierte Frau erwägt aufgrund von Wechseljahres-Symptomen, ihren Arbeitsplatz aufzugeben. Gleichzeitig wissen laut HR-Fokusreport 2026 nur drei von zehn Führungskräften, welche gesundheitlichen Herausforderungen Frauen in dieser Lebensphase erleben.

Fakten schaffen Wissen. Aber reicht Wissen allein aus, um auch Verständnis für die konkrete Situation im Arbeitsalltag zu entwickeln?

Oder können persönliche Erfahrungsberichte dabei helfen, eine Perspektive einzunehmen, die sonst schwer zugänglich bleibt?

Genau dieser Frage geht Olivia Schneider von der Hochschule Bochum derzeit gemeinsam mit dem IWWW nach.

## Wenn Fakten auf Erfahrungen treffen

Für die laufende Studie lesen Führungskräfte und HR-Fachpersonen, die selbst nicht von den Wechseljahren betroffen sind, fiktionalisierte Erfahrungsberichte in Ich-Form. Die Texte basieren auf realen Erfahrungen von Frauen.

Die Auswertung ist noch nicht abgeschlossen. In den bisherigen Interviews zeichnen sich jedoch bereits drei interessante Muster ab.

> 1. Erfahrungsberichte machen den Arbeitsalltag greifbarer

Fakten können erklären, welche Symptome während der Wechseljahre auftreten. Ein Erfahrungsbericht kann zusätzlich zeigen, was diese Symptome im konkreten Arbeitsalltag bedeuten.

Die bisherigen Befragten beschrieben, dass sie durch die Berichte Einblicke in Situationen erhielten, die ihnen zuvor wenig vertraut waren.

Ein Beispiel dafür ist der Unterschied zwischen der Information, dass Schlafstörungen oder Konzentrationsprobleme auftreten können – und der konkreten Vorstellung davon, wie sich das auf einen Arbeitstag, Meetings, Leistungsdruck oder die Zusammenarbeit im Team auswirken kann.

Erfahrungsberichte übersetzen abstraktes Wissen in konkrete Situationen.

> 2. Bekanntes hilft bei der Einordnung

Auffällig war außerdem: Mehrere Befragte stellten von sich aus Parallelen zu Burnout oder Depression her – Themen, mit denen HR und Führungskräfte häufig bereits Berührungspunkte haben.

Das kann ein wichtiger Ansatz für die Kommunikation sein.

Denn neue Gesundheitsthemen müssen nicht immer völlig neu erklärt werden. Sie lassen sich möglicherweise leichter verstehen, wenn sie an vorhandenes Wissen, bekannte Erfahrungen und bestehende Strukturen anknüpfen.

Für die Kommunikation bedeutet das: Nicht nur erklären, was Wechseljahre sind, sondern auch zeigen, wie sich die damit verbundenen Herausforderungen in bereits bekannten arbeitsbezogenen Zusammenhängen einordnen lassen.

> 3. Belastungen sichtbar machen, ohne ein einseitiges Bild zu erzeugen

Erfahrungsberichte haben allerdings auch eine Herausforderung: Wenn ausschließlich belastende Erfahrungen dargestellt werden, kann unbeabsichtigt ein defizitorientiertes Bild von Frauen in den Wechseljahren entstehen.

Die ersten Interviews legen deshalb nahe, einen differenzierten Blick zu ermöglichen.
Es geht darum, Belastungen sichtbar zu machen, ohne Frauen auf diese Belastungen zu reduzieren.

Dazu gehört auch die Frage: Was können Organisationen konkret tun?

Denn gute Gesundheitskommunikation sollte nicht bei der Beschreibung eines Problems enden. Sie sollte möglichst auch Orientierung geben: Welche Unterstützung gibt es? Welche Handlungsmöglichkeiten haben Führungskräfte? Und welche Rahmenbedingungen können dazu beitragen, dass Beschäftigte auch in dieser Lebensphase gut arbeiten können?

## Was bedeutet das für die Praxis?

Aus den bisherigen Erkenntnissen lassen sich drei Fragen ableiten, die Organisationen bei ihrer Kommunikation über Gesundheit im Arbeitskontext stellen können:

1. Vermitteln wir nur Fakten – oder geben wir auch Einblick in konkrete Erfahrungen?
Zahlen und wissenschaftliche Erkenntnisse schaffen eine wichtige Grundlage. Erfahrungsberichte können ergänzen, was hinter diesen Zahlen steht.

2. Machen wir Belastungen sichtbar, ohne Menschen darauf zu reduzieren?
Gesundheitskommunikation sollte Herausforderungen benennen, gleichzeitig aber ein differenziertes Bild der Menschen und ihrer Arbeitsfähigkeit vermitteln.

3. Knüpfen wir an bestehendes Wissen und konkrete Handlungsmöglichkeiten an?
Neue Themen werden verständlicher, wenn sie mit bereits bekannten Erfahrungen, Strukturen und Angeboten verbunden werden. Entscheidend ist dabei, nicht nur Verständnis zu schaffen, sondern auch Handlungssicherheit.

## Wissen allein ist nicht immer genug

Die ersten Erkenntnisse unserer Studie zeigen: Zwischen Information und Verständnis kann ein wichtiger Unterschied liegen.

Fakten können Wissen vermitteln. Erfahrungsberichte können helfen, dieses Wissen mit konkreten Situationen zu verbinden. Und Handlungsmöglichkeiten können daraus Orientierung für die Praxis schaffen.

Die Studie von Olivia Schneider und dem IWWW läuft weiter. In den kommenden Wochen werden wir weitere Erkenntnisse daraus teilen.

Dabei beschäftigt uns eine zentrale Frage:

Wie können wir über Gesundheit so kommunizieren, dass Wissen, Verständnis und Handlungssicherheit zusammenkommen?

---

[Alle Artikel](https://iwww.ch/blog) · [llms.txt](https://iwww.ch/llms.txt) · Institute for Women’s Wellbeing at Work KLG, info@iwww.ch
